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Pressemitteilung : Serie SPEKULATIONEN (#3 - #5)

Eröffnung: Sonntag, 17. Februar, 15 Uhr

17. Februar - 16. März 2008

Sofia Hultén
Auflösung

Ulrike Mohr
Neue Nachbarn

Kai Schiemenz
The Empty Dwelling, the Vain Tower and the Mad Colonist


Für das nächste Jahr sind drei konkrete Bauvorhaben auf dem Gelände des Skulpturenpark Berlin_Zentrum geplant, welche nach Jahren des Stillstands ökonomischer Aktivitäten einer weiteren Leerstelle im Zentrum Berlins eine neue Bestimmung zuführen werden. Diesen Veränderungen der Landschaft vorausgehend präsentiert der Skulpturenpark Berlin_Zentrum drei Künstler – Sofia Hultén, Ulrike Mohr, und Kai Schiemenz – die in ihren Arbeiten soziale, architektonische, historische und alltägliche Transformationen vornehmen: Ulrike Mohr verpflanzt Bäume vom Dach des Palasts der Republik, Sofia Hultén schreddert aufgelesenen Hausrat und Kai Schiemenz installiert auf einem Berg aus historischem Bauschutt eine Architekturform. Im Kontext der Ausstellungsreihe Spekulationen gesellen sich diese Arbeiten zu Etienne Boulangers The Single Room Hotel und Valeska Peschkes Denkmal für die Berliner Promenadenmischung, Und er kommt nicht allein. Nimmt man alle Arbeiten zusammen, so könnte man sie als wichtige infrastrukturelle Maßnahmen für den zukünftigen Wohnort deuten: Mehr Bäume, weniger Müll, ein neuer Pavillon als Treffpunkt, ein Hotel und ein großer Hund als Symbol der lokalen Identität. Was dann noch fehlt, ist die Lebensmittelversorgung und ein richtiger Park – welche in Kürze im letzten Projekt der Reihe mit Daniel Bozhkovs Sigmund Jähn Döner Kebab Stand, Sigmund Jähn Park  realisiert werden – und natürlich die geplante Hochhaussilhouette selbst.


Wenige Blöcke vom Skulpturenpark Berlin_Zentrum entfernt wird zurzeit das Volkskammer- und Kulturhaus der DDR, der Palast der Republik, abgerissen. Im Laufe  des 15jährigen Streits um den Abriss des Palasts hat sich auf seinem Dach ein kleines Biotop gebildet. In ihrer Arbeit Neue Nachbarn pflanzt Ulrike Mohr (*1970 in Tuttlingen, lebt in Berlin) fünf aus Rissen des Gemäuers entsprossene Bäume in originalgetreuer Anordnung auf das Gelände des Skulpturenparks um. Die Bäume sind mit kleinen „Palast der Republik“-Medaillons markiert und im Boden steckende Plastikschilder geben Auskunft über ihre botanische Klassifizierung. Von diesen Spezifikationen abgesehen gehen die Bäume ein integratives Spiel mit ihren neuen Nachbarn ein, welche nach dem Fall der Mauer selbst auf historischem Abbruchmaterial gekeimt sind.

Unterdessen durchkämmt Sofia Hultén (*1972 Stockholm, lebt in Berlin) in ihrer Arbeit Auflösung das Niemandsland zwischen Stallschreiber- und Alexandrinenstraße nach ausrangierten Objekten und Müll. Ein alter Sessel, eine Matratze, Autoreifen, Kleidungsstücke, Monitore werden gesammelt und in einem industriellen Schredder zu Staub gemahlen. Den Staub nimmt Hultén und verstreut ihn an den Fundstellen der Objekte. Durch eine solche Maßnahme der beschleunigten Entropie „explodieren“ die Objekte in einem skulpturalen Prozess der Dematerialisierung. Das auf dem Skulpturenpark gefundene Material wird so zugleich zu einer sich verflüchtigenden und dauerhaften Skulptur umgestaltet. Passanten werden Teile des Staubs unter ihren Schuhen mit sich davontragen, während andere Teile als Untergrund der zukünftig entstehenden Gebäude dem Gelände verhaftet bleiben.
Während der Ausstellung werden Bilder der Originalobjekte auf der Plakatwand des Skulpturenparks zu sehen sein. Im Restaurant  Ecke Neue Grünstraße / Seydelstraße wird ein Video der Schredder-Aktion laufen.

Während Ulrike Mohr in ihrer Arbeit ein Stück Vergangenheit übersetzt und Sophia Hultén die Arbeit der Zeit beschleunigt, greift Kai Schiemenz (*1966 in Erfurt, lebt in Berlin) in seiner spiralförmigen Architekturskulptur The Empty Dwelling, The Vain Tower and the Mad Colonist die mehrdeutige Gegenwart auf, die das Gelände des Skulpturenpark ausmacht. Vom einzigen Hügel des Parks ragt seine aus Sperrholz und Dachlatten gebaute dreidimensionale Form in die Höhe. Entwachsen aus den realen, historischen Fundamentresten des Ortes erscheint sie wie ein Amalgam aus konstruktivistischer Funktionalität und poststrukturalistischer Mega-Struktur, für dessen Bau das Diktum “form follows function” nicht immer maßstäblich  gewesen sein wird.
Ähnlich wie in früheren Arbeiten von Schiemenz funktioniert die Anlage gleichermaßen als Monument, das abgeschieden auf dem großen Feld steht und als Pavillon, den man über eine lange Treppe betritt und der Ausblicke bietet. In monumentaler Passivität stellt sich das Objekt als Skulptur dar, die kontemplativ angeschaut werden möchte. Zugleich eröffnet es als Aussichtsplattform die Kommunikation mit seiner Umgebung und produziert selbst neue Ansichten und Bilder.
Jedoch vermittelt Schiemenz’ Form auch die Idee einer utopischen Inanspruchnahme des urbanen Raums. Platziert auf dem Gelände der ehemaligen Mauer bezieht sie als mad colonist trotzig Stellung vor der anstehenden urbanen Erneuerung. 

 
mohr
hulten
schie1) roof of Palast der Republik, Ulrike Mohr 2) Auflösung, Sofia Hultén 3) sketch for The Empty Dwelling..., Kai Schiemenz
 
 


Spekulationen
Die Reihe Spekulationen wird kuratiert von Kunstrepublik e.V., in Kooperation mit Eva Hertzsch/Adam Page (Dresden/Berlin), Birgit Schumacher/Uwe Jonas (Berlin) und Adam Sutherland (Grizedale, GB). Zwischen November 2007 und März 2008 werden Etienne Boulanger (F), Daniel Bozhkov (US), Sophia Hultén (SW), Ulrike Mohr (DE), Valeska Peschke (DE) und Kai Schiemenz (DE) ihre Projekte präsentieren. Weitere Informationen...

Mit freundlichem Dank für die Förderung durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.


Skulpturenpark Berlin_Zentrum
KUNSTrePUBLIK e.V.
Neue Grünstr. 20
10179 Berlin
mail@skulpturenpark.org
http://www.skulpturenpark.org