Keine Wohnungsnoth mehr!

Mit Keine Wohnungsnoth mehr! zitiert Zorka Wollny ein Berliner Lied von August Conradi aus dem Jahr 1873, der grossen Bauphase der Gründerzeit. “Man baut in der Weltstadt Berlin überall, ja Häuser und Straßen entstehen Knall auf Fall. Und doch findet man keine Wohnung darin, die Mieter sie wissen ja nicht mehr wohin…” heisst es darin. Es ist frappant, wie aktuell diese Zeilen heute, knapp 150 Jahre später, wieder sind. Zorka Wollny reininterpretiert das Stück in Anbetracht aktueller Debatten über Wohnungsknappheit in Berlin. Die acht dabei entstandenen Lieder wurden gemeinsam mit professionellen Musikern eingesungen. Im Vorfeld zum Programmwochenende im September wird jeweils nachmittags pro Tag ein Stück über kleine, in den Bäumen entlang der Stallschreiberstr. installierte Lautsprecher, abgespielt. Vom 25.-26.09. werden am selben Ort alle Stücke im Loop abgespielt.

Freitag, 17.09.2021, Keine Wohnungsniot Mehr! von Ludwig Obst, Angela Wingerath
Samstag, 18.09.2021, Investors Swing von Anna Clementi und Allegra Solitude
Sonntag, 19.09.2021, Easy Come, Easy Go von Rosa Mercedes
Montag, 20.09.2021, Einziehen von SCHWUND
Dienstag, 21.09.2021, A Study of Moisture von Leah Buckareff und Aidan Baker
Mittwoch, 22.09.2021, Rest in Punk von Paul Geigerzähler
Donnerstag, 23.09.2021, Berlin von The Inserts
Freitag, 24.09.2021, Schwarzer Montag von Arurmukha (Marc Weiser, Jurgen Hendlmeier)



25. September 2021


15:00-19:00

Sound Installation: Keine Wohnungsnoth mehr!  »

mit Zorka Wollny


26. September 2021


15:00-19:00

Sound Installation: Keine Wohnungsnoth mehr!  »

mit Zorka Wollny



Zorka Wollny

Zorka Wollny, geb. 1980, ist bildender Künstler und Performance-Direktor. In ihrer Praxis bewegt sie sich zwischen Theater und bildender Kunst mit einem starken Bezug zur Architektur. Sie arbeitet mit Musikern, Schauspielern und Tänzern sowie lokalen Gemeinschaften zusammen. Ihre Arbeiten wurden in renommierten Kunstinstitutionen auf der ganzen Welt präsentiert, wie zum Beispiel: Biennale Porto Alegre (2020) Chicago Architecture Biennale (2019), Steirischer Herbst Festival (2019), Hebbel am Ufer Theater in Berlin (2018), CTM Festival in Berlin ( 2020, 2018, 2015), Savvy Contemporary in Berlin (2017, 2016), De Appel in Amsterdam (2017).

www.zorkawollny.net
anotheracademy.org



Keine Wohnungsnoth mehr! (1873)


von August Eduard Moritz Conradi 
gesungen von Ludwig Obst und Angela Wingerath

Jüngst traf einen Freund ich und fragt’ “alter Sohn,
nun sage, hast Du eine Wohnung denn schon?”
Da rief er voll Freude: “Mein Leiden ist aus,
ich habe ’ne Wohnung, ich bin schön heraus!”
Ein Stadtbahnwagon auf ’nem Bahnhof steht leer.
Da hat er doch nun keine Wohnungsnot mehr!

Der Magistrat hätt’ sich erbarmt jüngst, ich träumt, 
der hätt’ zu Logie uns das Rathaus geräumt. 
Auch den Ratskeller stellt er zur Disposition,
und hundert Familien, die wohnen drin schon.
Auch gäb' man’s Aquarium und’s Herrenhaus her.
Da hätten wir gleich keine Wohnungsnot mehr!

Ganz harmlose Dinge berühr’ ich hier nur,
man darf ja nicht schlagen heut über die Schnur.
Denn wenn ich’s riskierte, dann weiß ich genau,
es käme ein Schutzmann daher, noch so blau.
Der brächt’ in’s Gefängnis ihn ohne Verhör.
Da hätte er auch keine Wohnungsnot mehr!



Investor’s Swing


von Anna Clementi und Allegra Solitude

Der Text dieser Improvisation ist der Website der Deutsche Wohnen entnommen. Er entlarvt den Zynismus der Anleger und die Leere von Worten und Versprechen.



Easy Come, Easy Go


von Rosa Mercedes

You’re the sun and I’m the snow
And from up high you watch us scramble
I resign to what I know
Easy come and easy go
All I love is a thriving tangle
And life will flow to where it has a home

A home, it’s so easy come and easy go
A fragile web
Free spirit
Knowing names of neighbours
Local papers
Doing things all for free
All for memories
Honey bees
Kind eyes
Grassroots of green devotion
A chance to speak and to be heard
It’s easy come and easy go



Einziehen


von Schwund

Einer zieht ein, einer zieht aus. Einer zieht rein, einer zieht raus.
Einer zieht um, einer zieht weg. Einer zieht ein, einer zieht aus.
Einer zieht ein, einer zieht aus. Einer zieht rein, einer zieht raus.
Einer zieht um, einer zieht weg. Einer zieht ein, einer zieht aus.
Einer zieht ein ein, einer zieht aus.
Kann ich hier bitte einziehen? Kann ich hier bitte einziehen?
Kann ich hier bitte einziehen? Kann ich hier bitte einziehen?
Kann ich hier bitte…?
Kann ich hier bitte einziehen? Kann ich hier bitte einziehen? 
Kann ich hier bitte einziehen? Kann ich hier bitte einziehen?
Kann ich hier bitte einziehen? 
Einer zieht ein, einer zieht aus. Einer zieht rein, einer zieht raus.
Einer zieht um, einer zieht weg. Einer zieht ein, einer zieht aus.
Einer zieht ein, einer zieht aus. Einer zieht rein, einer zieht raus.
Einer zieht um, einer zieht weg. Einer zieht ein, einer zieht aus.
Kann ich hier bitte einziehen? Kann ich hier bitte einziehen?
Kann ich hier bitte einziehen? Kann ich hier bitte einziehen?
Kann ich hier bitte… ausziehn!



A Study of Moisture


von Leah Buckareff und Aidan Baker

Luftfeuchtigkeit – Es bliebt schon unklar, auf welche Grundlage die Kläger den geltend gemachten Anspruch auf eine relative Luftfeuchtigkeit von unter 60% stützen möchten, zumal die Luftfeuchtigkeit ganz maßgeblich ihnen selbst (waschen, kochen, etc.) bzw. deren Lüftungsverhalten abhängt.



Rest in Punk


von Paul Geigerzähler

Ich kann nicht sagen ob ihm das Lied gefällt
ich muss es trotzdem schreiben
er ist verschwunden von dieser Welt
und wir - wir werden hier bleiben

Er hat soviel geschaffen von dem
was heute selbstverständlich ist
Anarchocrustpunk in der Köpi
trotz all dem widrigen Mist
schon in der hintersten Zone
hat er alles dafür gegeben
das Wirren um die Zukunft
wird er nicht mehr erleben

on beim Organisier'n
oder wenn alles brannte
bevor ich das Wort PUNK überhaupt aussprechen konnte
war er schon eine Konstante
es fällt mir nicht leicht zu begreifen
das er nicht mehr ist
doch da bleibt so viel
das niemand vergisst!

Die Erde soll ihm leicht sein!
Die Erde soll ihm leicht sein!

Ich kann nicht sagen ob ihm das Lied gefiele
und hab's trotzdem geschrieben
da sind doch noch'n paar gemeinsame Ziele
und die - die sind geblieben...

Köpi, Köpi, Köpi - Viva, Viva, Viva...
LET'S MAKE PUNK A THREAT AGAIN!



Berlin (Wonderland)


von The Inserts
Lyrics by Elli
copyright @ The Inserts
                    

Du hast so vieles schon mit angesehen
und musstest wieder neu auferstehen!
Du hast geliebt und gehasst in wilden Exzessen,
verrückt und verrucht, lüstern im Rausch…

Du hast schon so viel mitgemacht,
auseinander gerissen- zusammen gepappt
doch du bist immer wieder aufgestanden…

In deinen Ruinen haben wir uns eingerichtet
mit viel Liebe und verrückten Ideen,
Utopien geträumt und sogar gelebt

Ein Dorn im Auge des Establishments
Sand im Getriebe des Großkapitals
So wollten wir sein in Berlin, Berlin Wonderland

Dein Sexappeal strahlt in die ganze Welt,
von Leuten geschaffen, die jetzt keiner mehr da will!
Du zogst sie magisch an, wie Motten in dein Licht
Du Schmuddelkind, du Kellerkind…

Berlin- ich vermisse dich!

Was mal charmant und reizend war,
das ist fast alles gar nicht mehr da!
Potse, Friedel, Liebig, Syndikat…
geräumt, verschachert vom Senat!

Berlin- bist du noch meine Stadt?

Bist du noch immer meine Stadt?
Gewaschen, gekämmt, gebügelt und glatt!
Wenn ihr euch da mal nicht verspekuliert habt!
So schnell geben wir keinen Fußbreit ab!

Berlin- du bist doch unsere Stadt!



Schwarzer Montag


von Arurmukha (Marc Weiser und Jürgen Hendlmeier)

Schwarzer Montag ist ein Titel aus der Neuauflage eines Albums, das Marc Weiser und Jurgen Hendlmeier als Arurmukha der Räumung von 13 besetzten Häusern in der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain im November 1990 widmen.

Am 14. November 1990 wurden 13 besetzte Häuser in der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain geräumt. Mit über 4000 Einsatzbeamten war dies der größte Polizeieinsatz in der Berliner Nachkriegsgeschichte. Die gewalttätige Konfrontation, bei der gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber und Wasserwerfer zum Einsatz kamen, gilt als die letzte große Schlacht linker Hausbesetzer in Deutschland.