RE-TURN

21.-22. August / 25.-26. September / 14. November

Skulpturenpark Berlin_Zentrum 2021

Das Englische Wort “return” bedeutet sowohl Rückkehr, als auch Ertrag oder Gewinn. Diese Doppeldeutigkeit setzt inhaltlich und programmatisch den Ton für die diesjährige Ausstellungsreihe des Skulpturenpark Berlin_Zentrum. 

Das Künstlerkollektiv KUNSTrePUBLIK kehrt zurück aus dem in der Zwischenzeit aufgebauten Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) zu einem Gebiet in der Mitte Berlins, das — nach großflächiger Zerstörung im II. Weltkrieg — Ost- von Westberlin als Mauerstreifen trennte. Nach der Wende blieb die innerstädtische Brachfläche zwischen Spittelmarkt und Moritzplatz viele Jahre ungenutzt. Seit 2006 behauptet sich diese mehr als 5 Hektar große Fläche als Skulpturenpark Berlin_Zentrum. Im Kontext von vier Ausstellungsreihen wurden bis 2010 rund 30 temporäre Kunstprojekte, diverse Diskursveranstaltungen und Publikationen realisert. Von der besonderen Situation des Ortes ausgehend, beschäftigten sich diese mit dessen funktionalen, historischen, spekulativen und soziokulturellen Gegebenheiten.

Heute ist der Skulpturenpark Berlin_Zentrum fast gänzlich bebaut. Aus der Freifläche, auf der nur ein Haus stand, wurde ein Areal aus Neubauten mit nunmehr einer einzigen verbliebenen Brachfläche. Mit der Rückkehr greift KUNSTrePUBLIK die paradigmatischen Entwicklungen des Ortes auf und hinterfragt zugleich den gesamtgesellschaftlichen Effekt, den das neu bebaute Areal produziert. 

Die Immobilienentwickler haben neue Werte geschaffen. Welche Qualitäten und welcher Mehrwert sind entstanden? Welche Aufwertung hat für wen stattgefunden und kann davon auch etwas als Stadtrendite verbucht werden? Welche Wertschöpfungskette und welcher volkswirtschaftliche Effekt wurde hier produziert, mit welchen positiven und negativen gesamtgesellschaftlichen Folgen? Funktioniert das neu bebaute Areal auch als neu gebautes Quartier? Was fehlt hier vielleicht und wer definiert das?

Rund 3000 neue Bewohner:innen leben nun auf dieser ehemaligen Mauerbrache, und nur die wenigstens wissen, dass sich ihre Wohnungen auf einem Skulpturenpark befinden und sie somit plastischer Teil einer übergeordneten Narration sind. Man könnte behaupten, dass die neue Bebauung zu den weltweit voluminösesten Plastiken des 21. Jahrhunderts gehört. Der Skulpturenpark Berlin_Zentrum hat sich zu einer Art „Museumsinsel“ entwickelt, auf der die neuen Bewohner:innen und deren Wohnwelten als zentrale Ausstellungsgegenstände in einem modellhaften zeitgenössischen Gesamtkunstwerk versammelt sind: eine soziale Plastik der Jetztzeit, verborgen hinter kulissenhaften Fassaden sogenannter Investorenarchitektur, wie sie an vielen Orten Berlins, aber auch weltweit, als gängige  raumgreifende Praxis zu finden ist. 

Beispielhaft für viele Orte gegenwärtiger Metropolen ist hier auf dem Gelände des Skulpturenpark Berlin_Zentrum ein Reallabor entstanden, ein exemplarischer Untersuchungsgegenstand marktwirtschaftlich gesteuerter Transformationsprozesse, der als Objekt für künstlerische und wissenschaftliche Explorationen dient.

Die Ausstellungsreihe RE-TURN entwickelt sich über den Verlauf von fünf Monaten von August bis Dezember 2021. An drei Wochenenden - im August (21.-22.8.), September (25.-26.9.) und November (14.11.) - finden programmatische Höhepunkte statt, an denen 12 neue Projekte initiiert und durch Workshops, Vorträge und Performances ergänzt und erweitert werden.

Teilnehmer:innen


Programm


14. November 2021


Einführung Skulpturenpark Berlin_Zentrum

mit KUNSTrePUBLIK & Boris Jöns  »

Partizipative Skulptur AIRNSHARE

mit Doris Dziersk  »

Daseins Zentrum: Kämme mein Haar; Fakten und Poesie

mit KUNSTrePUBLIK & Boris Jöns  »

Geführter Spaziergang: Berlin muss seine Altstadt wieder aufbauen!

mit Martin Conrads  »

Film Screening de.construction.fantasies

mit Lydia Karagiannaki, Live Performance mit Bitsy Knox and Marco Schröder / item  »

Film Imitation of Life : remake berlin

mit Lukas Matthaei & Team  »


Gesamtes Programm



Kuratorischer Beirat


Ela Kagel
Edit Molnár
Arved Schultze 
Joanna Warsza