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Kai Schiemenz
The Empty Dwelling, the Vain Tower and the Mad Colonist, 2008
Während Ulrike Mohr in ihrer Arbeit ein Stück Vergangenheit übersetzt und Sophia Hultén die Arbeit der Zeit beschleunigt, greift Kai Schiemenz (*1966 in Erfurt, lebt in Berlin) in seiner spiralförmigen Architekturskulptur
The Empty Dwelling, The Vain Tower and The Mad Colonist die mehrdeutige Gegenwart auf, die das Gelände des Skulpturenpark ausmacht. Vom einzigen Hügel des Parks ragt seine aus Sperrholz und Dachlatten gebaute dreidimensionale Form in die Höhe. Entwachsen aus den realen, historischen Fundamentresten des Ortes erscheint sie wie ein Amalgam aus konstruktivistischer Funktionalität und poststrukturalistischer Mega-Struktur, für dessen Bau das Diktum “form follows function” nicht immer maßstäblich gewesen sein wird.
Ähnlich wie in früheren Arbeiten von Schiemenz funktioniert die Anlage gleichermaßen als Plastik, die abgeschieden auf dem großen Feld steht und als Pavillon, den man über eine lange Treppe betritt und der Ausblicke bietet. In zierlicher Passivität stellt sich das Objekt als Skulptur dar, die kontemplativ angeschaut werden möchte. Zugleich eröffnet es als Aussichtsplattform die Kommunikation mit seiner Umgebung und produziert selbst neue Ansichten und Bilder.
Jedoch vermittelt Schiemenz’ Form auch die Idee einer utopischen Inanspruchnahme des urbanen Raums. Platziert auf dem Gelände der ehemaligen Mauer bezieht sie als
mad colonist trotzig Stellung vor der anstehenden urbanen Erneuerung.
Zeichnung & Modell